04 rujna 2006

Urlaub im Krankenhaus

Hallo! In der letzten Folge habe ich Euch versprochen diesmal von einer "induzierten Psychose" zu erzählen. Ereignet hat sich da folgendes:

Ende der ersten Woche, da ging es mir wieder etwas besser, bin ich wieder auf die "normale" Krankenstation verlegt worden (3/1-Innere). Man hat bis dahin wie erwartet die Krankheit mit Antibiotika bekämpft und das lief soweit gut - Beweis: ich bin ja innerhalb weniger Tage von den Toten wieder auferstanden. Dann bekam ich ein Antibiotikum (Piperacillin) als Infusion, das bei mir eine sehr heftige Reaktion auslöste - ich bekam Halluzinationen! Nachdem alles schon gelaufen war, wachte ich nach zwei Tagen wieder auf der (Halb)Intensivstation auf und erst da begriff ich was passiert war. Die Ereignisse von vor zwei Tagen rollten sich wieder wie eine Filmrolle ab und huschten an mir vorbei, wie ein Knäuel das in diesen zwei Tagen weiß Gott wo im Unterbewusstsein versteckt war. An jedes auch kleine Detail erinnere ich mich klar, so als würde ich es immer wieder erleben. Auch wie ich den Infusionsständer auseinander nahm mit dessen Teilen ich das Bett schlug, wie ich halluzinierte mein Zimmer wäre voll von Leuten die immer wieder verschwanden um dann wieder aufzutauchen und wie ich mein Schränkchen, eines dieser Kasten mit dem ausziehbaren Tisch, über den Kopf gehoben und auf das Bett geschmissen habe! Die Ärzte, die an dem Abend Dienst hatten standen ganze Zeit an der Tür mit der Klinke in der Hand, bereit die Tür hinter sich zuzuschlagen und von außen abzuschließen - hätte ich auch nur einen Schritt in ihrer Richtung gemacht. Eine der Krankenschwestern die auch anwesend war, erzählte mir später wie mein Wahn zu Ende ging: ich hätte mich an die Wand gelehnt und eingeschlafen! Da hat man sich wieder ins Zimmer getraut und hat mir, so im stehen schlafend, erstmal ein Beruhigungsmittel verpasst und mich auf die Intensivstation verfrachtet. Hinterher habe ich diesen Infusionsständer untersucht und festgestellt, daß man erstmal eine richtig lange, fest zugedrehte Schraube aufschrauben muss um das Ding auseinander zu bekommen - ohne Werkzeuge. Vor allem, dieser Nachtkasten ist unter normalen Umständen richtig schwer, jedenfalls habe ich es gerade zehn Zentimeter hochziehen können. Verrückt...

Tolle Erfahrung, nicht war?

Als ich wieder in mein Zimmer zurückkehrte, das ich übrigens - bis auf die letzten zwei Tage - ganz für mich alleine hatte (wen wundert's, gell? *lach*), fing die schöne Zeit meines Krankenhausaufenthaltes an. Das Wetter spielte einigermaßen mit und wieder zu Kräften gekommen wagte ich einen Spaziergang in den Garten und nähere Umgebung der Filderklinik. Dabei stellte ich fest, dass sie so gut wie im Wald liegt und sobald man das Gelände verlässt ist man mitten auf einer Wiese zwischen den Obstbäumen. Aus dem nahen Bauernhof hört man die Schafe und das Brummen eines Traktors - Idyll auf dem Lande! So kam ich überhaupt auf den "Urlaub auf dem Bauernhof"... Da ich einiges an Ausdauer eingebüßt hatte und auf meinem Rundgang ziemlich weit weg vom Gebäude kam, war ich auf dem Rückweg richtig aus der Puste gekommen. Mit Mühe wieder ins Zimmer zurückgekehrt kam ich auf die rettende Idee: Duschen!

Wenn ich ein perfektes Gefühl beschreiben würde, dann sicherlich so: das Gefühl das sich einstellt wenn man nach einer Woche im Krankenhaus, endlich frisch geduscht, im Bad mit noch nasser Haut und Haaren, im Licht der untergehenden Sonne sitzt. Da fällt alles ab, das Krankenhaus, der verpasste Urlaub mit der Familie und Freunden… Alles egal… Wer so etwas schon mal erlebt hat wird wissen wovon ich spreche.

Zwei-drei Tage vor meiner Entlassung kamen aus Stuttgart Ingrid und François zu Besuch.



Ich nenne sie schon seit jeher Tante und Onkel, eigentlich habe ich immer noch nicht herausbekommen ob es auf Deutsch eine treffendere Bezeichnung für den Sohn der Tante und des Onkels mütterlicherseits meines Vaters gibt... Im Kroatischer Sprache ist man da bestimmt schon erfinderisch gewesen… :-) Obwohl das Einzelzimmer auf jeden Fall ein Riesenvorteil ist, hat es sich in mancherlei Hinsicht auch als Nachteil erwiesen. Bei diesem Besuch spürte ich zum ersten Mal, daß mir in den letzten Tagen ein Gesprächspartner gefehlt hat. Wir setzten uns vor die obligatorische Krankenhauscafeteria und unterhielten uns anderthalb stunden lang über Gott und die Welt. Es tat so gut! Versteht mich nicht falsch, mit jemand geredet habe ich sonst auch, aber es war fast immer nur offiziell: Arzt (Krankenschwester etc.) – Patient Beziehung. Wenn dir aber einer sagt „ Bub’ Du machsch vielleicht Sache’ “ dann ist das natürlich von einer völlig anderen Qualität! :-)

So, jetzt aber Schluß für diesmal! Genug geredet (geschrieben)! Ich erzähle Euch nächstes Mal von den letzten Tagen, von meinem Bettnachbar in dieser Zeit und dann von einer Freundschaft vom unschätzbaren Wert! Hier sei nochmal auf die restlichen Fotos hingewiesen.

Allerweil, jetzt trinkemer oiner! Ha, wenn’s schee macht! Tschüsle! :-)

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