22 rujna 2006

Kaffeebar Schiller am Kronenplatz

Hallo!

Zur Übung heute eine Kurzgeschichte über eine reale - und keine virtuelle Kneipe.

Des öfteren bin ich Gast bei Michael Schiller und seinen Mädels: Anette, Claudia, Lydia, Sara, Tanja, und Rebecca. Da letztere für gewisse Zeit im Ausland studiert, wird ab etwa Anfang Oktober Julia für sie einspringen. Früher hat Michael in den gleichen Räumen von Februar 2000 bis April 2006 ein beliebtes Internetcafé betrieben - die NetLounge (näheres im Stadtwiki Karlsruhe). Nach einem länger als geplant und erhofft andauernden Umbau wurde daraus ab Juni die Kaffeebar. Wie man auf den Fotos sehen kann, das ist ihm und seinen Helfern sehr gut gelungen. Geschmackvoll und farblich harmonisch eingerichtet, mit einem sehr netten und jungen Team (gell Micha?!) ist die Kaffeebar immer einen Besuch wert.

Beim Schiller bekommt man alle erdenklichen und auch weniger bekannten Kaffeearten, eine breite Auswahl an nicht alkoholischen und alkoholischen Getränken zu moderaten Preisen, diverse Snacks (Baguette, Toast, Muffins etc.) und seit ein paar Wochen auch Frühstück ab halb acht morgens serviert. Für die Freunde der mittaglichen Leichtkost empfehle ich Schrimpscoctail mit Toast, den man im Sommer wunderbar auf der Aussenterasse mit Blick auf den Kronenplatz geniessen kann. Apropos Terasse: die Kaffebar ist klimatisiert! Im Andenken an die ehemalige NetLounge sind drei Steh- und Sitzplätze mit Internet-PCs verfügbar und mit eigenem Notebook kann man über W-LAN kostenlos surfen. Neben diversen Zeitschriften und der Tagespresse ist eine BookCrossing-Ecke im Aufbau.
Das wichtigste: man trifft hier immer nette Leute! Manchmal sind das Menschen die man danach nie wieder sieht - weder hier noch sonstwo in Karlsruhe, aber öfters sind das regelmäßige Besucher wie z.B. Nachbarn vom Kronenplatz, Bewohner des Hauses oder Leute die man von woanders her kennt.

Also, nichts wie hin! Das nächste mal seid ihr - wie gewohnt, wieder zu Besuch beim geizigen Schwaben in seiner virtuellen Dorfkneipe...


Wichtige Bemerkung: Dieser Post ist weder initiiert noch gesponsort von der Kaffeebar oder von Michael Schiller persönlich. Der Text gibt subjektive Meinung des Autors wider.

21 rujna 2006

Ich bin noch da!

Hallo!

Falls jemand von Euch, den regelmäßigen Besucher dieser Seite gedacht hat ich würde jetzt wieder eine mehrmonatige kreative Pause einlegen - hat er teilweise Recht. Zwar nicht über die beabsichtigte Länge, aber über ihren Inhalt.

Ich meine, bevor ich Posts der Art "Leute, was mir heute passiert ist!" oder ähnliche tagespolitische Themen (Achtung, political correctness, lese: Schwachsinn!) veröffentliche, überlege ich mir gründlich was ich auf Euch loslasse. Zur Illustration meiner Absichten sei noch gesagt, ich habe meinen Diktaphon herausgekramt - ja eines dieser alten Dinger mit Microkasseten! Mein Mobiltelefon hat zwar eine Aufnahmefunktion und wahrscheinlich mehr Kapazität, bloß käme ich mir bescheuert vor in der Bahn das Ding zu zucken und vor meinem Mund haltend die Gedanken festzuhalten...

Für die Zwischenzeit will ich Euch nochmal an meinen Fotoalbum erinnern, bald mit einer Menge neuer (und alter) Fotos.

Soviel für diesmal und: lasst Euch überraschen!

11 rujna 2006

Heute die traurige Folge...

Am Mittwoch früh entschließ ich mich abzureisen, bevor sich meine Freunde zu arg an mich gewöhnt haben. Man soll schließlich dann Schluß machen als es am schönsten ist.

Da Rie mittwochs immer Unterricht gibt (habe ich schon erwähnt, daß sie in Karlsruhe an der Hochschule für Musik Klarinette studiert hat?) hat sie ihre Babysitterin bestellt. Meine einzigen Aufgaben bestanden darin, sich in sie Sonne zu setzten, sich unbemerkbar zu machen und später einen Tomaten-Mozzarella Salat zu machen. Diese junge Dame die Tomos Babysitterin ist, ebenfalls Japanerin, macht mit ihm diverse pädagogisch wertvolle Übungen, man muß doch recht früh damit anfangen wenn man sich die ganzen Buchstaben merken will! Um sie nicht dabei zu stören ging ich in den Garten, aß erstmal mindestens halbes Kilo von diesen gigantischen Brombeeren, dann dampfte ich eine und legte mich in die Sonne. So verbrachte ich fast den ganzen Vormittag, las noch aus einem Buch das mir meine Mutter geschickt hat um danach wieder vor sich hinzudösen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen - Tomo ist übrigens das einzige Kind das ich kenne mit einem riesigen Appetit auf rohe Tomaten, verabschiedete sich die Babysitterin. Bis zum Abend war nicht lange, ich packte meine sieben Sachen und verabschiedete mich von meinen Freunden - ach was, meiner Familie! Gegen 22:30 kam ich in Karlsruhe an. Am nächsten Tag ging ich zum Hausarzt.

Diese sechs Tage waren eine allzu große Entschädigung für den verpassten Urlaub, sie waren genau das was ich nach der relativen Einsamkeit im Krankenhaus gebraucht habe: aufgenommen in eine Familie, als ein Teil der Familie zu funktionieren, die lieben Menschen um mich herum zu haben... Das alles und noch mehr boten mir Rie, Alf und mein kleiner Bruder Tomo in diesen Tagen. Sie versprachen mich bald zu besuchen und ich versprach auch, sobald ich ein Verlängertes Wochenende zusammenbekomme gleich wieder vorbeizukommen. Leider hatte ich kein zweites Paar Schuhe dabei das ich bei ihnen lassen konnte, so wie sie ihre Badelatschen bei uns auf der Insel ließen - wie man bei uns glaubt, die Garantie auf jeden Fall wieder zu kommen...



Vielen Dank Rie, vielen Dank Alf, vielen Dank Tomo! Ich werde diese Zeit nie vergessen! Nächstes Jahr, das verspreche ich euch, werde ich die letzten zwei Wochen vor dem Urlaub mit einer Atemschutzmaske herumlaufen, werde mich gesund ernähren und kein Alkohol trinken :-) Dann klappt's 100%-ig mit gemeinsamen Urlaub!



So, Schluß für heute! Wir trinken noch eine auf die Freundschaft und dann Feierabend! Gute Nacht!

10 rujna 2006

Urlaub bei Rie, Alf und Tomo 2

Hallo und willkommen zu einer weiteren Folge in meinem "Urlaub auf dem Bauernhof/Krankenhaus-Opus".

Der Montag verlief ohne Besonderheiten, obwohl - die einzige war, daß wir zu dritt waren weil Alf zum ersten Mal nach dem Urlaub seiner Arbeit nachging. Am Dienstag verbrachten wir einen wunderschönen Nachmittag auf dem Killesberg. Auf der Hinfahrt schlief Tomo in seinem Kindersitz ein da wir kurz nach dem Mittagessen losgefahren sind. Rie hat sich mit Sakiko verabredet und weil wir etwas verspätet losgefahren sind und unterwegs auch noch im Stau steckten kamen wir etwas später als vereinbart an der Stuttgarter Messe an. Welch eine Katastrophe für Japaner! Rie war schon während der ganzen fahrt unruhig - das gehört sich nicht! Was für mich, vom Ursprung Südländer eher eine Regel als Ausnahme ist. :-) Dort angekommen fing das volle Programm an: das Wetter war wunderschön, erste Station war am Streichelzoo wo wir einige 20 Cent-Stücke auf dem Futterautomaten ausgaben und dann ging es im gemächlichen Tempo in Richtung Spielplatz weiter. Nach anfänglicher Reserviertheit, gar offenem aus dem Weg gehen akzeptierte mich Ayumi - die Tochter von Sakiko nach und nach, wenn auch mit gewisser Dosis Skepsis. Am Spielplatz der natürlich voll war angekommen, verschwanden die beiden Knirpse an diversen Rutschen, Schaukeln und ähnlichem Gerät - und die beiden Muttis hinterher. Was blieb mir als selbstbewussten Mann übrig, als die beiden Kinderwagen von einer zur anderen Spielstation (lese: Sitzmöglichkeit!) zu schleppen? Erst nach gewisser Zeit fielen mir die fragenden Blicke anderer anwesenden auf! Die einen oder anderen Oma oder Opa lächelten mich milde an aber bei anderen Erwachsenen waren das eher Fragen "Polygamie?" oder vielleicht das eine oder andere "...welches Kind ist jetzt von ihm?" :-) Ich meine, welches Bild gaben wir ab? Zwei Japanerinnen mit so ähnlich japanisch aussehenden Kindern, die mit einem mitteleuropäisch aussehenden Mann Deutsch sprechen während sie ihre Mütter auf Japanisch anreden... Der Eindruck sollte sich noch verstärken als Rie, Sakiko und die Kiddies langsam erschöpft vom Toben zu mir kamen und die Vesper-Sachen rausholten. Rie hat Trauben ausgepackt und reichte sie Tomo, nachdem sie zwei-drei die um den Stiel schon braun waren herauswarf. Tomo fühlte sich dadurch ermutigt die Auswahl nach eigenen Kriterien durchzuführen und fing an jede zweite gen Gebüsch zu fördern. Dieser Verschwendung überdrüssig nahm ich die Trauben an sich und zeigte ihm jede einzeln an mit den Worten "guck mal - die ist gut!". Darauf hat er die gezeigte gepickt und gegessen. Irgendwann fragte ich ihn ob ich denn auch eine haben darf und er gab sie mir bereitwillig, worauf ich mich für jede einzelne deutlich mit "arigato" bedankte. Diese Blicke hätte ich fotografieren sollen! "Jetzt spricht auch der Japanisch mit dem Kind!" oder so ähnlich, obwohl das mitunter das einzige Wort ist das ich - sogar richtig aussprechen kann...

Nach dieser kurzen Erholung gingen wir weiter, an einem See voller Flamingos vorbei, in Richtung Biergarten. Jetzt ließ sich Ayumi von mir sogar kutschieren - das Eis war endgültig gebrochen!



Am Ziel angekommen suchten wir uns einen Tisch in der Nähe einiger weniger Spielgeräte doch die beiden Muttis durften ihre Getränke nicht lange genießen. Von der mageren Auswahl der Spielgeräte offensichtlich gelangweilt, machten sich die beiden Knirpse daran den Biergarten unsicher zu machen während die Mütter versuchten sie daran zu hindern. Als letztes Mittel mußte der böse Paikiman herhalten um die Kinder davon abzuhalten sich irgendwo im Park zu verlieren.



Eines der ersten kulturellen Unterschiede zwischen Japan und dem Rest der Welt was Kinder- und Zeichentrickfilme angeht ist der japanische Superman der dort Anpanman heißt. Sein Gegenpart, gewisser weise der japanische Joker ist der Paikiman der sich ausgezeichnet dazu eignet die Kinder davon zu überzeugen doch das zu tun was man für richtig und angebracht hält. Da an diesen zwei Gestalten eine riesige Merchandising- und Spielzeugindustrie ihr Geld verdient, traf ich sie beinahe überall: mindestens jedes dritte Tomos Spielzeug hat damit was zu tun, dann sind da of course unzählige DVDs mit ihren Abenteuern...

Abschied viel nach diesem schönen gemeinsam verbrachten Nachmittag schwer. Sogar Ayumi versuchte mir etwas auf Japanisch zu erzählen, so hatte sie sich an mich gewöhnt! Auf dem Rückweg saß ich, wie sich herausstellte - zum Glück, neben Tomo auf dem Rücksitz. Bald nachdem wir die Stadt verließen - steckten wir schon im Stau. Tomo war durch die Fülle der Eindrücke der letzten Stunden etwas aufgedreht und ich gab mir redlich Mühe ihn daran zu hindern unsere Fahrerin abzulenken. Ich imitierte Michael Schumacher, schnitt Grimassen und machte Blödsinn, so wie er es auch von meinem Vater gewöhnt war. :-) Was ich mir vorgenommen hatte gelang zum Teil, von Rie bekam er ihr Haargummi und war bis nach Hause ruhig - gut, er ist nichtmal im Schlaf ruhig, daher ist diese Aussage nur zum Teil richtig. Zuhause angekommen wollte er unbedingt, daß Rie ihm die Haare bindet und das nach seinen esthetischen Maßstäben. Danach stand er ganze fünf Minuten vor dem Spiegel sich bewundernd und schrie "Kawaiii! Kawaiii" (Süüüss! Süüüss!) :-)



Nö, das ist dann wohl doch nicht die letzte Folge! Bis zum nächsten Mal, Tschüss!

09 rujna 2006

Urlaub bei Rie, Alf und Tomo

Wie ich im letzten Post beschrieben habe, haben mich meinen Freunde aus dem Krankenhaus abgeholt und wir bereiteten uns auf das Wochenende vor allem auf das Sushi-Essen und auf den runden Geburtstag von Helga, der direkten Nachbarin von Rie und Alf.

Zurückgekehrt vom Einkauf und mit einer Ladung Fisch an Bord, verstauten wir die Sachen erstmal im Kühlschrank um wenig später zu einem Ausflug zum nahe gelegenen Naturpark Schönbuch aufzubrechen. Dort ist, mitten im Wald gelegen, ein Restaurant mit schön eingerichteter Außenanlage mit riesigen Biergarten und da aßen wir zu Mittag. Am späten Nachmittag, wieder nach Hause gekommen, machte sich Rie gleich auf das Kochen und Zubereiten von Sushi. Dabei habe ich ihr ein Bißchen über die Schulter geschaut und in der Zwischenzeit im Garten herumgelungert. Meine Freunde überraschten mich mit einer Flasche Weißwein von unserer Insel, das ist der Wein den wir in den Wochen die wir dort verbringen auch immer trinken. Ich muß sagen, überraschender Weise paßt er gut zu Sushi! Die leckeren Stücke getüncht in die Sojasauce mit Wasabi schmeckten wieder hervorragend. Davor bzw. dazu gab es eine klasse Algensuppe. Nachdem alle satt waren blieben noch ein paar Röllchen übrig - doch die haben den Morgen nicht erlebt! An diesem Abend schauten wir uns noch die ca. dreistündigen Video Aufnahmen die sie, während ich im Krankenhaus lag, im Urlaub gemacht haben und einen Haufen Fotos an.

Am nächsten Tag war zunächst Faulenzen angesagt. Am Nachmittag war dann, ursprünglich als Gartenparty geplant, die Geburtstagsfeier bei den Nachbarn zu der ich kurzerhand eingeladen wurde. Danke Helga! Rie und Alf haben von unseren Nachbarn auf der Insel ein schön verziertes und mit persönlicher Widmung versehenes Fläschchen Lanvendelöl gekauft. Dieses haben wir mit einem Glas Honig aus Kroatien und einem Töpfchen scharfer Zierpaprika zu einem Arrangement zusammengestellt, ganz nach dem Motto "wie das Leben - von allem etwas" :-) Da das Wetter leider nur bis zum Sekt und Aperitif gehalten hat, mußte der Grill in die Garage gestellt werden und die Party ins Haus verlegt werden.


Ich lernte auch Georg kennen, den Mann von Helga und wir verbrachten einen schönen Nachmittag und Abend zusammen mit anderen Gästen die aus der "alten Heimat" von Helga und Georg - von und um die Bergstraße, angereist waren. Wir verabschiedeten uns gegen neun von allen da Tomo schon längst im Bett hatte sein sollen und Alf am morgigen Montag einer besonderen Belastung ausgesetzt war - seinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub. Meine Freunde und ihre Nachbarn kommen sehr gut miteinander klar, sie haben z.B. keinen Zaun gebaut der ihre Gartenhälften teilt, so daß sie abends öfters zusammen sitzen und Katrin - Tochter von Helga und Georg, oft mit Tomo spielt und für ihn mittlerweile sowas wie die große Schwester ist.

OK, Schluß für heute. Da ich gemerkt habe, daß meine Geschichten immer länger werden diesmal zur Abwechslung eine etwas kürzere. Nächstes Mal dann der Ausflug zum Killesberg zusammen mit Sakiko und ihrer Tochter Ayumi und der letzte Tag meines Aufenthaltes bei Rie, Alf und Tomo. Dies wird voraussichtlich der letzte Teil im "Urlaub auf dem Bauernhof/Krankenhaus" Opus.

07 rujna 2006

Urlaub im Krankenhaus 2

Willkommen zurück! Wie versprochen geht es heute um die letzten Tage im Krankenhaus, um meinen Bettnachbar aus dieser Zeit und um eine wahre Freundschaft.

Die paar Tage vor meiner Entlassung waren von einer gewissen Langeweile geprägt. Es war nicht diese Art von Langeweile die einen ermüdet und quält nein, es war eher eine erholsame, eine gute und möchte ich fast sagen eine befreiende Langeweile nach den Aufregungen der letzten anderthalb Wochen. Die Tage nahmen den Rhythmus der Mahlzeiten, regelmäßiges Teekochen, noch etwas seltene Spaziergänge im Gebäude und tägliches Duschen waren einziger Zeitvertreib dazwischen. Spazieren gehen hat sich deshalb auf das Gebäude beschränkt weil ich noch, scheinbar unzertrennlich mit meinem Begleiter




verbunden war. Erst am vorletzten Tag sollte ich dann in die vollkommene Bewegungsfreiheit entlassen werden: endlich entfernte man da die restlichen noch vorhandenen "Anschlüsse" von und aus meinem Körper. Erst dadurch bot sich die Gelegenheit die Umgebung des Klinikums zu erkunden, die schon spätsommerlich wärmende Sonne zu genießen und ein-zwei von noch nicht ganz reifen Äpfeln von der nahen Obstwiese zu kosten.

So unangekündigt wie angenehm überraschend bekam ich am vorletzten Tag einen Bett- und Zimmernachbar, Roman aus Allgäu. Da man aufhörte mich mit Antibiotika zu Behandeln, traute man sich wohl endlich wieder Menschen im gleichen Zimmer mit mir übernachten zu lassen *lach*. Wir hatten gleich einen guten Draht zueinander und fanden auch einige Gemeinsamkeiten: unsere familiäre Situation, wir mögen gutes Essen und guten Wein sowie - was mit den letzteren beiden zu tun hat – wir sind ausgesprochene Frankophile. Leider leidet er an einer Krankheit die sein Verdauungstrakt angreift. Diese kommt in Schüben und während dieser kann er keine Nahrung zu sich nehmen, sondern muß künstlich ernährt werden und nimmt innerhalb kurzer Zeit erheblich ab. Zu allem Unglück ist Roman auch noch von Beruf Gemüsebauer, ist also an der Quelle frischer und gesunder Nahrung von der er weiß wie sie aufgewachsen ist! Wir redeten an diesem Abend bis ziemlich spät, versuchten aber das Thema Krankheit und alles damit Zusammenhängende so gut es ging auszulassen. Da er leidenschaftlicher Motorradfahrer ist und schon einmal in Kroatien war - allerdings im Norden lud ich ihn ein, uns nächsten Sommer gemeinsam mit seiner Freundin zu besuchen. Am nächsten Morgen konnte er schon nicht mehr frühstücken. Wir tauschten noch die Adressen und Telefonnummern aus und während ich unter der obligatorischen Dusche war, wurde er abgeholt. An diesem Morgen bekam er einen Venenkatheter "eingebaut" damit man ihn über die Infusion ernähren konnte. An dieser Stelle: alles Gute Roman! Gute Besserung und ich hoffe Du wirst nächstes Jahr fit damit wir uns mit gegrilltem Fisch vollschlagen können!

Am Vortag sind Rie, Alf und Tomo wieder aus Kroatien zurückgekommen und wir verabredeten uns an diesem Vormittag, daß sie mich abholen kommen nachdem ich auch offiziell entlassen wurde. Ich bekam von meinem behandelnden Arzt die Entlassungspapiere, noch einige Empfehlungen mit auf den Weg und wir verabschiedeten uns. Kurz danach kamen auch schon meine Freunde und wir fuhren los, den schönsten fünf Tagen meines Urlaubs am Lande entgegen. Gleich nach unserer Ankunft in ihrem Zuhause bekam ich die Anweisung sich nicht nur wie zu Hause zu fühlen sondern auch so frei zu benehmen. Rie hat Mineralwasser mit Kohlensäure kalt gestellt, unseren Lieblingssirup - aus Zeiten als wir noch Nachbarn in Karlsruhe waren, gekauft und auch Eiswürfel gemacht. Der (erneute) Empfang hätte aus meiner Sicht nicht besser vorbereitet sein können! Am Samstag nach dem wir geimeinsam ausgiebig gefrüchstückt haben, machten Rie und Ich uns auf den Weg zum Einkauf. Etwas was mir im Krankenhaus zu schaffen machte, obwohl das Essen sehr gut ist, war die teilweise spartanische Menge, besonders beim Frühstück der für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Es waren noch ein paar Sachen, hauptsächlich Lebensmittel aber auch Blumen für Helga (Nachbarin die an diesem Sonntag runden Geburtstag feierte) zu holen, vor allem aber der Fisch für das große Sushi-Essen das für den Abend geplant war...



Die Japaner aus der Umgebung von Böblingen kennen sich alle und treffen sich regelmäßig in familiärer Atmosphäre. Sie legten vor gewisser Zeit Geld zusammen und kauften eine Tiefkühltruhe die bei Sakiko, einer der befreundeten Japanerinnen aus Böblingen im Keller steht. Sie haben nämlich einen Lieferanten gefunden der ihnen alle zwei-drei Wochen die speziellen Lachsfiletstücke, Meeresfrüchte und ähnliche feine Sachen, tiefgekühlt und aus Japan importiert anliefert und Bestellungen entgegen nimmt. Wir statteten ihr auf dem Rückweg vom Einkauf einen Besuch ab. Vielleicht würde sich einer der noch keinen Kontakt mit den hier länger lebenden Japanern hatte, sie als zurückhaltende und schüchtern wirkende Menschen vorstellen. Solche gibt es sicherlich auch, doch habe ich bisher Glück ausschließlich solche zu kennen die von unserer europäischen Lässigkeit und Herzlichkeit im Umgang miteinander längst „verdorben“ sind. Ich fühlte mich auch diesmal sofort wie in eine Familie aufgenommen worden zu sein.

Schön, jetzt habe ich schon wieder ausgeholt mit der G’schicht. Schluß für heute! Nächstes Mal Genaueres und Detailliertes über die schönen Tage mit Rie, Alf und Tomo. Bis dann!

04 rujna 2006

Urlaub im Krankenhaus

Hallo! In der letzten Folge habe ich Euch versprochen diesmal von einer "induzierten Psychose" zu erzählen. Ereignet hat sich da folgendes:

Ende der ersten Woche, da ging es mir wieder etwas besser, bin ich wieder auf die "normale" Krankenstation verlegt worden (3/1-Innere). Man hat bis dahin wie erwartet die Krankheit mit Antibiotika bekämpft und das lief soweit gut - Beweis: ich bin ja innerhalb weniger Tage von den Toten wieder auferstanden. Dann bekam ich ein Antibiotikum (Piperacillin) als Infusion, das bei mir eine sehr heftige Reaktion auslöste - ich bekam Halluzinationen! Nachdem alles schon gelaufen war, wachte ich nach zwei Tagen wieder auf der (Halb)Intensivstation auf und erst da begriff ich was passiert war. Die Ereignisse von vor zwei Tagen rollten sich wieder wie eine Filmrolle ab und huschten an mir vorbei, wie ein Knäuel das in diesen zwei Tagen weiß Gott wo im Unterbewusstsein versteckt war. An jedes auch kleine Detail erinnere ich mich klar, so als würde ich es immer wieder erleben. Auch wie ich den Infusionsständer auseinander nahm mit dessen Teilen ich das Bett schlug, wie ich halluzinierte mein Zimmer wäre voll von Leuten die immer wieder verschwanden um dann wieder aufzutauchen und wie ich mein Schränkchen, eines dieser Kasten mit dem ausziehbaren Tisch, über den Kopf gehoben und auf das Bett geschmissen habe! Die Ärzte, die an dem Abend Dienst hatten standen ganze Zeit an der Tür mit der Klinke in der Hand, bereit die Tür hinter sich zuzuschlagen und von außen abzuschließen - hätte ich auch nur einen Schritt in ihrer Richtung gemacht. Eine der Krankenschwestern die auch anwesend war, erzählte mir später wie mein Wahn zu Ende ging: ich hätte mich an die Wand gelehnt und eingeschlafen! Da hat man sich wieder ins Zimmer getraut und hat mir, so im stehen schlafend, erstmal ein Beruhigungsmittel verpasst und mich auf die Intensivstation verfrachtet. Hinterher habe ich diesen Infusionsständer untersucht und festgestellt, daß man erstmal eine richtig lange, fest zugedrehte Schraube aufschrauben muss um das Ding auseinander zu bekommen - ohne Werkzeuge. Vor allem, dieser Nachtkasten ist unter normalen Umständen richtig schwer, jedenfalls habe ich es gerade zehn Zentimeter hochziehen können. Verrückt...

Tolle Erfahrung, nicht war?

Als ich wieder in mein Zimmer zurückkehrte, das ich übrigens - bis auf die letzten zwei Tage - ganz für mich alleine hatte (wen wundert's, gell? *lach*), fing die schöne Zeit meines Krankenhausaufenthaltes an. Das Wetter spielte einigermaßen mit und wieder zu Kräften gekommen wagte ich einen Spaziergang in den Garten und nähere Umgebung der Filderklinik. Dabei stellte ich fest, dass sie so gut wie im Wald liegt und sobald man das Gelände verlässt ist man mitten auf einer Wiese zwischen den Obstbäumen. Aus dem nahen Bauernhof hört man die Schafe und das Brummen eines Traktors - Idyll auf dem Lande! So kam ich überhaupt auf den "Urlaub auf dem Bauernhof"... Da ich einiges an Ausdauer eingebüßt hatte und auf meinem Rundgang ziemlich weit weg vom Gebäude kam, war ich auf dem Rückweg richtig aus der Puste gekommen. Mit Mühe wieder ins Zimmer zurückgekehrt kam ich auf die rettende Idee: Duschen!

Wenn ich ein perfektes Gefühl beschreiben würde, dann sicherlich so: das Gefühl das sich einstellt wenn man nach einer Woche im Krankenhaus, endlich frisch geduscht, im Bad mit noch nasser Haut und Haaren, im Licht der untergehenden Sonne sitzt. Da fällt alles ab, das Krankenhaus, der verpasste Urlaub mit der Familie und Freunden… Alles egal… Wer so etwas schon mal erlebt hat wird wissen wovon ich spreche.

Zwei-drei Tage vor meiner Entlassung kamen aus Stuttgart Ingrid und François zu Besuch.



Ich nenne sie schon seit jeher Tante und Onkel, eigentlich habe ich immer noch nicht herausbekommen ob es auf Deutsch eine treffendere Bezeichnung für den Sohn der Tante und des Onkels mütterlicherseits meines Vaters gibt... Im Kroatischer Sprache ist man da bestimmt schon erfinderisch gewesen… :-) Obwohl das Einzelzimmer auf jeden Fall ein Riesenvorteil ist, hat es sich in mancherlei Hinsicht auch als Nachteil erwiesen. Bei diesem Besuch spürte ich zum ersten Mal, daß mir in den letzten Tagen ein Gesprächspartner gefehlt hat. Wir setzten uns vor die obligatorische Krankenhauscafeteria und unterhielten uns anderthalb stunden lang über Gott und die Welt. Es tat so gut! Versteht mich nicht falsch, mit jemand geredet habe ich sonst auch, aber es war fast immer nur offiziell: Arzt (Krankenschwester etc.) – Patient Beziehung. Wenn dir aber einer sagt „ Bub’ Du machsch vielleicht Sache’ “ dann ist das natürlich von einer völlig anderen Qualität! :-)

So, jetzt aber Schluß für diesmal! Genug geredet (geschrieben)! Ich erzähle Euch nächstes Mal von den letzten Tagen, von meinem Bettnachbar in dieser Zeit und dann von einer Freundschaft vom unschätzbaren Wert! Hier sei nochmal auf die restlichen Fotos hingewiesen.

Allerweil, jetzt trinkemer oiner! Ha, wenn’s schee macht! Tschüsle! :-)

01 rujna 2006

Urlaub auf dem Bauernhof 2

Willkommen beim zweiten Teil meiner Landurlaub-Odyssee. Im ersten Teil habe ich Euch beschrieben wie ich in der Filderklinik statt in Split auf dem Flughafen gelandet bin.

Meine Erinnerung an den ersten Tag ist auf wenige Tatsachen beschränkt. Ich weiß noch, daß an diesem Dienstag richtig was los war auf der Aufnahme. Ich wurde etliche Male zu verschiedenen Untersuchungen gefahren um danach wieder auf dem Ausgangspunkt zu landen - allerdings erstmal auf dem Flur. Von da hat man mich wieder ins Aufnahmezimmer gezogen sobald drin wieder ein Stellplatz frei war. Mein besonderer Dank gilt einer namenlosen Krankenschwester in blauer Krankenhausmontur die, mit schöner Regelmäßigkeit, die feuchten Tücher auf meiner Stirn gewechselt hat und mir so erheblich die Leiden gelindert hat. Später nutzte ich erste Gelegenheit mich Persönlich bei ihr zu bedanken.

Ich weiß nicht wie lange ich da schon gelegen habe bevor man mich auf die "normale" Krankenstation (4 - Innere) verlegt hatte. Die Freundin von mir, meine liebe Rie rief vom Flughafen Split an als sie festgestellt hatten, daß ich nicht da bin. Ich erklärte ihr was passiert ist und wünschte ihnen schönen Urlaub mit meinen Eltern. Ab da sind meine Erinnerungen an die erste Woche sehr verwischt, so als hätte man mir eine Milchglas-Brille aufgesetzt, alles ist verschwommen und ungeordnet, wie in Zuckerwatte eingewickelt... Wie ich später erfahren sollte, fing da der Virus in meinem Körper richtig an zu wüten, mischte die Blutwerte auf, so daß z.B. ein Muskelenzym mit Normalwert unter 190 U/l auf 70.000 U/l (!) stieg und in Folge dessen meine Nieren zu Versagen drohten! Die erhöhte Dosis Cortison die ich in den letzten Tagen eingenommen habe, hat mein Immunsystem nur geschwächt und so konnte der Virus schön machen was er will. Der Zustand anderer inneren Organe sah auch nicht rosig aus.

An die zwei Besuche meines Onkels in diesen Tagen kann ich mich sogar überhaupt nicht erinnern, zumindest nicht ihn getroffen zu haben. Die ersten zwei Nächte, sofern ich mit meiner Zeitrechnung richtig liege, habe ich fast gar nicht geschlafen weil ich das Zimmer mit einem Herren teilte der ununterbrochen Selbstgespräche führte. Meine Bitte in ein anderes Zimmer verlegt zu werden wurde harsch abgelehnt. Das war in diesen zwei Wochen das einzige Mal, daß ich nicht korrekt behandelt wurde. Was danach geschah, was man mit mir anstellte, wo ich alles war - vermag ich nicht mehr zu sagen. Ich erwachte aus meinem "Dornröschenschlaf" erst Ende der Woche wo es mit mir wieder etwas bergauf ging und stellte fest, daß meine Armbeugen voller Blutergüsse waren. Da hatte wohl jemand versucht meine gut versteckten Venen zu treffen.

Während dessen, die ganze Woche lang, saßen meine Eltern und meine Freunde wie auf heißen Kohlen auf unserer geliebten Insel. Aus dem was mein Onkel berichtet hatte war ihnen klar geworden - besonders meinem Vater der selber Arzt ist, daß ich im Sterben lag... Zum Glück war da der zweijährige Sohn meiner Freunde der sie von schlimmen Gedanken etwas abgelenkt hat. Unsere Eltern sind mittlerweile in die Phase gekommen wo sie sich Enkelkinder wünschen - so haben sie in diesen gut zwei Wochen einen gehabt.




Ich habe mir hinterher die Videoaufnahmen angeschaut, besonders wie der kleine Tomo meinem Vater beim Einbau einer Anhängerkupplung mitgeholfen hat *grins*...


Soviel für den zweiten Teil. Beim nächsten Mal erzähle ich Euch von einer „induzierten Psychose“, davon wie man im Krankenhaus noch paar schöner Tage verbringen kann und vom Bedürfnis mit jemandem zu reden.


Jetzt erstmal noch eine Runde - geht auf mich! Worauf trinken wir? Auf die Gesundheit natürlich…